DIALOGISCHE ÄSTHETIK IM ANTHROPOZÄN
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Am Rand und im Zentrum

Eine Stadt zwischen Fahrplan und Fluss
Aus der ICE-Perspektive wirkt Fürth wie ein Zwischenraum: Häuser, Gleise, ein kurzer Blick auf die Rednitz, dann verschwindet die Stadt wieder im Fahrplan. Fern von Hauptstadt- und Leuchtturmstatus, eher Randzone der Metropolregion.
Wer sich dagegen zu Fuß an den Fluss stellt, erhält ein anderes Bild. Die Rednitz trägt Hitze und Niedrigwasser, Starkregen, Eis, Enten, Jogger, Mikroplastik, Libellen, Bauzäune, Spielplätze. Sie verbindet Fürth mit Wasser- und Klimasystemen, Landwirtschaft, Industrie, Energieinfrastruktur. An diesem Ufer zeigt sich, wie relativ Begriffe wie „Rand“ und „Zentrum“ sind – beides hängt vom Blickwinkel ab.
Genau hier setzt das kultur.lokal.fürth an: ein Modellprojekt des Kulturamts, das Leerstand in der Innenstadt in temporäre Projekträume verwandelt – kostenfrei für Künstler:innen, offen für die Stadtgesellschaft. Diese Räume dienen Ausstellungen, zugleich entstehen dort experimentelle Öffentlichkeiten, die neue Formen von Beteiligung erproben.
Im Sommer 2023 zog der Projektraum „wundersam“ ein. Über mehrere Wochen entstand ein dichter Erfahrungsraum: offenes Atelier, Vorträge, Gespräche, Naturexpeditionen, Kinderprogramm, Impulse zu Rechten der Natur und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das Projekt brachte die Frage in die Innenstadt, wie Natur in der Stadt als Gegenüber erfahrbar wird.
Aus der Distanz erscheint das wie eine kleine Episode. Aus der Nähe zeigt sich ein Beitrag zu einer Debatte, die in der internationalen Stadtforschung an Gewicht gewinnt: der Gedanke einer „caring city“, in der Wahrnehmung, Fürsorge und ökologische Einbettung als öffentliche Aufgabe gelten – nicht als private Liebhaberei.
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Flanierende Sonntage: Wahrnehmung als politische Praxis
Besonders deutlich wird dieser Ansatz im Format der flanierenden Sonntage. Einmal im Monat, durch alle Jahreszeiten, trifft sich eine kleine Gruppe in Fürth am Ufer Rednitz und geht es im langsamen Tempo den Wiesengrund entlang. Die Reihe trägt den Untertitel „Erzählung aus den Wäldern des Atems einer Stadt“. Es gibt keine Vortragsbühne, keine Reihe von Infotafeln, keinen strikt abgearbeiteten Ablaufplan. Menschen gehen. Sie hören auf Wasserstände, Verkehrslärm, Vogelrufe, Wind. Sie bemerken neue Betonflächen am Ufer, Müllreste, verändertes Licht, Spuren von Pflege oder Vernachlässigung. Die Beobachtung beginnt im Körper: müde Beine, kalte Hände, Atemrhythmus.
Die Dialogische Ästhetik im Anthropozän beschreibt diese Praxis als Verbindung von Wahrnehmung und Begegnung, mit dem Ziel, „lebendige Weltbezüge“ zu vertiefen. Wer regelmäßig denselben Weg am Fluss geht, entwickelt ein feines Gespür für Veränderungen – ökologisch, atmosphärisch, sozial. Aus Sicht der Demokratietheorie entsteht eine Schule der Aufmerksamkeit: Menschen lernen, konkrete Orte zu lesen, bevor sie über „die Stadt“ sprechen.
Die flanierenden Sonntage bilden ein Gegengewicht zur beschleunigten Logik, die viele Soziolog:innen analysieren. Statt immer schneller durch digitale Empörungswellen zu scrollen, richtet sich der Fokus auf die langsamen Rhythmen von Jahreszeiten, Wasserständen und Lichtwechseln.
Im weiteren Verlauf des Projekts tritt dieser politische Kern deutlicher hervor. Autoritäre Bewegungen arbeiten mit Tempo, Zuspitzung und Feindbildern; soziale Medien unterstützen diese Dynamik. Die flanierenden Sonntage etablieren andere Zeitstrukturen und üben eine Art Rekalibrierung der Aufmerksamkeit, wie sie etwa Jenny Odell beschreibt: weg von abstrakten Plattformreizen, hin zu konkreten Umgebungen.
Wichtig ist die Verschränkung von Gehen und Erzählen. Nach den Spaziergängen sitzt die Gruppe im Café, spricht über Wahrgenommenes, zeigt Skizzen, tauscht Beobachtungen aus. Aus diesen Gesprächen entstehen Texte, Zeichnungen, Fotos – kleine Archive gelebter Erfahrung, die in Diskussionen über Ufergestaltung, Klimaanpassung, Verkehr oder Aufenthaltsqualität einfließen können.
Fürth erscheint hier nicht als Projektionsfläche für Planungsdiagramme, sondern als konkret erfahrbarer Fall. Eine Stadtgesellschaft übt, ihre Umgebung zu hören, bevor sie Entscheidungen darüber legitim findet. Bürgerinnen und Bürger erhalten dabei eine Rolle, die über das Abhaken von Beteiligungsformaten hinausgeht: Sie sind Wahrnehmende, Mitdeutende, Zeuginnen und Zeugen. Die flanierenden Sonntage sind dabei kein Anfang von Fürsorge in dieser Stadt, sondern ein weiterer Faden in einem Geflecht, das längst gewoben wird. Viele Menschen - in Fürth und anderswo - kümmern sich auf ihre Weise um Orte, Nachbarschaften, soziale Beziehungen und um die Natur im Stadtraum: in Vereinen, Initiativen, Gärten, Kitas, Schulen, Kirchengemeinden, Kulturorten, in der Nachbarschaftshilfe oder einfach im stillen Alltag. 


Empathie im Visier: der harte Realismus der Rechten
Genau diese Art von sensibler, leiblich verankerter Aufmerksamkeit gerät im aktuellen Kulturkampf unter Druck. Elon Musk sprach 2025 von der „fundamentalen Schwäche der westlichen Zivilisation“ und meinte damit Empathie – in seinen Worten ein „Empathy Exploit“, eine Lücke, die Gegner ausnutzen können. In konservativen und rechtspopulistischen Milieus findet dieser Ton Resonanz. Mitgefühl erscheint dort als Risiko, als „Gutmenschentum“, als Hemmschuh für „klare Entscheidungen“.
In Deutschland profitiert die AfD von dieser Rahmung. Sie präsentiert sich als Gegenpol zu „übertriebener Rücksichtnahme“ und „Klimahysterie“. Programme und Reden relativieren den menschgemachten Klimawandel oder stellen ihn in Frage; Klimapolitik erscheint als Angriff auf Wohlstand und Souveränität. In der Kulturpolitik tauchen Schlagworte wie „deutsche Leitkultur“ auf, verbunden mit Warnungen vor „linken“ oder „woken“ Projekten in Kunst und Bildung und mit Forderungen, Förderstrukturen entsprechend umzubauen.
In diesem Deutungsrahmen verwandelt sich Fürth in ein Beispiel. Das kultur.lokal und der Projektraum wundersam werden dann nicht als Reallabore für Stadtwahrnehmung gelesen, sondern als Adresse für „weiche Themen“. Die übliche rhetorische Linie liegt auf der Hand: „Steuergeld für Nischenkunst“, „die Leute haben andere Sorgen“, „erst die Sicherheit, dann solche Projekte“.
Auf diese Weise rutschen Empathie, Care und Mitwelt-Fragen in die Ecke des Privaten und Emotionalen. Das entlastet kurzfristig. Langfristig verschwinden damit Grundlagen demokratischer Handlungsfähigkeit aus dem Blick: die Fähigkeit, komplexe Verwundbarkeiten wahrzunehmen; das Verständnis, dass Städte aus Beziehungen bestehen; die Einsicht, dass ökologische Erosion sich im Alltag bemerkbar macht, bevor sie in Statistiken landet.

Was Forschung über Care, Klima und Mitwelt nahelegt
Ein Blick in die wissenschaftliche Literatur zeichnet ein anderes Bild von politischer Nüchternheit: Care-Forschung beschreibt seit Jahrzehnten, dass jede Ökonomie auf Sorgearbeit ruht – Pflege, Kinderbetreuung, emotionale Unterstützung, Nachbarschaftshilfe. Diese Arbeit bleibt häufig unsichtbar und wird schlecht bezahlt oder gar nicht entlohnt, trägt jedoch das gesamte Gefüge. Autorinnen wie Silvia Federici haben detailliert herausgearbeitet, wie Sorgearbeit historisch entwertet wurde, obwohl sie die Voraussetzung jeder „produktiven“ Tätigkeit bildet.
Joan Tronto versteht Demokratie als Aushandlungsraum von Sorgeverantwortung. Politische Prozesse erhalten in diesem Zugriff eine zentrale Aufgabe: dafür zu sorgen, dass Bedürfnisse wahrgenommen und Sorgepflichten fair verteilt werden. Empathie fungiert hier als Voraussetzung, Schwierigkeiten und Verletzbarkeiten überhaupt zu erkennen.
In der Klimapolitik zeigen Evaluationsstudien zu Klima-Bürger:innenräten, dass geloste Versammlungen mit Zeit für Information, Austausch und Reflexion zu konsistenten und vielfach ambitionierten Empfehlungen gelangen. Außerdem steigt bei vielen Teilnehmenden die Bereitschaft, auch einschneidende Maßnahmen mitzutragen, wenn sie den Weg dorthin nachvollziehen können. Die permanente Klima-Versammlung in Brüssel gilt in der Demokratieforschung als Beispiel dafür, wie sich lernende Klimapolitik institutionalisieren lässt.
Parallel dazu verschiebt sich im Umweltrecht die Perspektive. Rechte der Natur in Ecuador und Bolivien, Rechtspersönlichkeit für Flüsse und Berge in Neuseeland, die Anerkennung von Mar Menor als Rechtssubjekt in Spanien – überall entsteht eine neue Grammatik: Ökosysteme treten als Träger eigener Rechte auf. Gerichte und Parlamente formulieren in juristischer Sprache, was Projekte wie die flanierenden Sonntage sinnlich erfahrbar machen: Menschliches Leben steht in enger Verflechtung mit Flüssen, Böden, Luft, Artenvielfalt.
Diese Entwicklungen beruhen auf Analysen, nicht auf Sentimentalität. Sie reagieren auf die Erfahrung, dass sich ökologische Schäden, Pflegekrisen und soziale Spaltungen nur begrenzt auslagern lassen. Empathie erhält dadurch eine Funktion als Diagnose-Instrument: Sie hilft, neue Risikolagen wahrzunehmen, bevor sie zu Katastrophen werden.
Kultur- und Sozialwissenschaften ergänzen diese Sicht. Autor:innen wie Jenny Odell, David Abram oder Andreas Weber beschreiben, wie stark digitale Aufmerksamkeitsökonomien von konkreten Umgebungen ablenken. Wer den Blick fast ausschließlich auf Bildschirme richtet, verliert mit der Zeit das Gespür für langsamere Veränderungen im Nahraum – eine Schwäche, wenn es um Klimawandel, Artensterben oder soziale Erosion geht.

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Fürth als Testfall einer anderen Stärke
Vor diesem Hintergrund erhält Fürth ein besonderes Profil. Die Stadt verfügt mit ihrem kultur.lokal und Initiativen wie dem dem Projektraum wundersam über Strukturen, die Fähigkeiten stärken, welche Forschung als Schlüsselressourcen einer resilienten Demokratie ansieht: leiblich verankerte Wahrnehmung, Mitwelt-Beziehungen, dialogische Formen des Miteinanders.
Die flanierenden Sonntage an der Rednitz wirken in diesem Licht wie ein Minimalmodell ökologischer Demokratie: Menschen lernen, einen konkreten Ort gemeinsam wahrzunehmen, Unterschiede auszuhalten, Erfahrungen zu teilen. Sie üben, eine freundliche Beziehung zum Leben in der Stadt zu entwickeln – eine Formulierung aus dem Projekt, die sich auch nüchtern verstehen lässt: als Aufbau von Beziehungswissen, das spätere politische Entscheidungen auf ein anderes Fundament stellt.
Die Teilnahmezahlen bleiben überschaubar. Viele gehen an einem Sonntag lieber anderen Dingen nach. Gerade deshalb kommt den wenigen, die sich auf diese Praxis einlassen, eine besondere Rolle zu. Sie bringen andere Geschichten in Umlauf, andere Bilder von Stadt, andere Maßstäbe für gelingendes Zusammenleben.
Für die kommunale Politik entsteht daraus eine strategische Frage. Fürth kann diese Initiativen als kulturelle Extras betrachten, die man in guten Haushaltsjahren ermöglicht. Oder die Stadt gesteht ihnen eine andere Bedeutung zu: als Investitionen in die Sensorik, die eine Gemeinde im 21. Jahrhundert braucht, um handlungsfähig zu bleiben.
Stärke erhält dann ein anderes Profil. Sie zeigt sich nicht in Abhärtung, sondern in der Fähigkeit, Verwundbarkeit wahrzunehmen und ernst zu nehmen – ökologisch, sozial, kulturell. Sie zeigt sich in der Bereitschaft, Bürgerinnen und Bürger als Wahrnehmende und Mitdeutende zu sehen, nicht nur als Bevölkerung, die „mitgenommen“ werden soll.
Fürth ist klein genug, um an der Rednitz mit überschaubarem Risiko zu experimentieren, und groß genug, dass solche Experimente mehr als eine Fußnote bleiben. In einer globalen Lage, in der Empathie offen angegriffen wird, wirkt eine Stadt, die flanierende Sonntage unterstützt und aufmerksam auf die eigenen Mitwelt-Beziehungen schaut, erstaunlich nüchtern. Sie investiert in etwas, das selten Schlagzeilen macht, aber über Zukunftsfähigkeit entscheidet: in die Art und Weise, wie eine Gesellschaft ihre Welt wahrnimmt.

Nachtrag: Über die Herabwürdigung leiser Arbeit
Zu dieser ganzen Geschichte gehört eine Schattenseite. Wer in Fürth an der Rednitz flaniert, wer sich von mehr-als-menschlichen Wesenheiten berühren lässt, die aus der üblichen Aufmerksamkeit herausgefallen sind, wer den verzweifelten Ruf der Natur wahrnimmt, begegnet früher oder später Widerstand. Häme, Zynismus, abfällige Bemerkungen. Die Frage drängt sich auf: Was läuft da schief?
Ein Teil dieser Reaktionen hat mit Spiegeln zu tun. Flanierende Sonntage, dialogische Formate, Care-Praxis öffnen Fenster in ein anderes Wahrnehmen, Denken und Handeln. Sie erzählen von einer Welt, in der Menschen nicht allein die Hauptrolle beanspruchen, sondern inmitten von Flüssen, Tieren, Pflanzen und Atmosphären auftauchen. Der Spaziergang am Fluss stellt die unscheinbare Frage: „Und du? Wie gehst du mit deiner Zeit um, mit deiner Stadt, mit deiner Mitwelt?“ Wer diese Frage nicht in sich hineinlassen möchte, schützt sich oft mit Abwertung. Zynismus legt sich wie eine Decke über die Stelle, an der Scham entstehen könnte.
Hinzu kommt ein hartnäckiges Stärke-Ideal. Viele Lebensläufe sind auf der Grundlage entstanden, Gefühle in den privaten Bereich zu verschieben und Härte als Ausweis von Realismus zu verstehen. Formate, die Verletzbarkeit, Fürsorge und Resonanz als Ressourcen sichtbar machen, berühren dieses Selbstbild. Innen meldet sich dann bisweilen ein Satz: „Ich habe mir eine dicke Haut erarbeitet – und nun erscheint Feinfühligkeit als Zukunftskompetenz.“ Herabwürdigung trifft in solchen Momenten zuerst die eigene Furcht und erst danach diejenigen, die eine andere Grammatik von Stärke erproben.
Dazu gesellt sich Ohnmacht. Die großen Krisen – Klima, Krieg, Pflegenotstand – stehen längst im Raum. Viele spüren sie, fühlen sich aber überfordert. Sobald ein Projekt wie wundersam diese Krisen an den Fluss, in die Innenstadt, in konkrete Begegnungen holt, rückt das Unbehagen näher an den eigenen Alltag heran. Das erzeugt Schmerz. Sätze wie „Das bringt alles nichts“ oder „Kümmert euch um etwas Richtiges“ wirken dann wie Schutzformeln gegen das Gefühl, dass das bisherige Weltbild ins Rutschen geraten könnte.
Und schließlich existieren handfeste Interessenkonflikte. Wer von laufenden Wachstums- und Ausbeutungsmodellen profitiert, erkennt in Mitwelt- und Care-Perspektiven oft instinktiv eine Gefahr. Ein anderes Verständnis von „genug“ stellt gewohnte Sicherheiten und Privilegien infrage. Herabwürdigung dient hier als Instrument, um zu vermeiden, dass diese Fragen überhaupt zum gemeinsamen Thema werden.
All das erklärt, warum leises Engagement so häufig Abwehr auslöst. Die wenigen, die sich in Fürth trotzdem auf flanierende Sonntage, Projekträume und dialogische Räume einlassen, arbeiten damit an einer Verschiebung des Weltverhältnisses. Sie zeigen: Stärke kann aus Aufmerksamkeit entstehen, aus der Fähigkeit, Scham und Verstörung auszuhalten, aus dem Mut, sich von mehr-als-menschlichen Regungen berühren zu lassen. Das ist auch ein Plädoyer für eine andere (politische) Kultur – in kleinen Gruppen, die ihre Maßstäbe aus Beziehungen beziehen, die über das rein Menschliche hinausreichen.

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Konzeption, Erfahrungen, Beispiele aus Fürth, flanierende Sonntage und „wundersam“: menschlich.
Rechercheimpulse, Strukturierung und sprachliche Verdichtung: mit Unterstützung einer Sprach-KI.
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